der goldene schnitt

Mit dem goldenen Schnitt die Bildgestaltung optimieren

Schöne Motive sollten auch so eingefangen werden, dass ihre Faszination auf dem Bild erhalten bleibt. Wirken Bilder hingegen langweilig und wenig inspirierend, können falsche Proportionen eine Ursache sein. Motive mittig im Bild anzuordnen ist weit verbreitet, nimmt einem Motiv aber seine Spannung. Stattdessen kann der goldene Schnitt angewandt werden, der eine harmonische Bildgestaltung erzeugt.

 

Was ist der goldene Schnitt?

 

fibonacci der goldene schnittVom goldenen Schnitt haben viele bereits im Kunstunterricht der Schule gehört. Er wurde bei klassischen Gemälden verwendet, um das Motiv interessanter wirken zu lassen. Schon vor mehr als 2400 Jahren waren Mathematiker, Physiker und Künstler von der Wirkung des goldenen Schnittes fasziniert. Sogar die Pyramiden in Ägypten, deren Alter etwa 5000 Jahre beträgt, weisen ein Verhältnis auf, welches den Regeln des goldenen Schnittes entspricht. Auch heute noch ist diese Form der Darstellung hilfreich und keineswegs veraltet. Gemeint ist damit, dass Hauptelemente eines Bildes nicht in der Mitte liegen sollten. Günstiger ist eine Platzierung, die näher am Rand liegt. Die Aufteilung sollte ungefähr 1/3 zu 2/3 messen. Genau genommen beträgt die Seitenaufteilung 38,2% zu 61,8%.

 

Die Philosophie hinter dem goldenen Schnitt – ein echte Mythos

 

Hinter dem goldenen Schnitt steckt eine richtige Philosophie. Diese Aufteilung eines Bildes wurde zu einem Mythos. In der italienischen Renaissance galt der Schnitt als göttliche Proportion, von der selbst Leonardo da Vinci schwärmte. Rational betrachtet ist die Zwei-Drittel-Regel nur eine einfache Vorgabe und ein mathematisches Teilungsverhältnis. Zum Mythos wurde der goldene Schnitt aber als Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften diese Regel der Gestaltung philosophisch betrachteten. Sie verknüpften das Teilungsverhältnis für den Bildausschnitt mit romantischen Vorstellungen von der Schönheit der Natur, mit der Existenz des Menschen als Teil der Natur und der göttlichen Welt. Aus dem Teilungsverhältnis wurde eine unendliche Zahl und damit etwas Göttliches.

 

Die Wirkung des goldenen Schnittes

 

Der goldene Schnitt wirkt deswegen so faszinierend, weil er auch in der Natur immer wieder vorkommt. Der Aufbau von Blättern oder Blüten folgt genau diesem Grundsatz. Sogar der menschliche Körper weist entsprechende Proportionen auf, wenn etwa der Kopf in Relation zum Oberkörper gesetzt wird. Der Bauchnabel befindet sich im goldenen Schnitt. Das Gestaltungsprinzip verleiht Bildern eine natürliche Balance und eine organische Harmonie.

 

Anwendung des goldenen Schnittes in der Bildgestaltung

 

Wichtig ist, dass der Schwerpunkt eines Motives im goldenen Schnitt platziert wird. Handelt es sich um ein großes Motiv, dann kann dieses über den goldenen Schnitt hinausragen. Ideal ist es, wenn der obere Teil des Motivs dann zur Bildmitte hin neigt und damit der Blickrichtung des Betrachters folgt. Der untere Teil des Motives sollte zum Bildrand hin geneigt sein. Wird beispielsweise ein Vogel fotografiert, der auf einem Ast sitzend abgebildet wird, dann ist die Körpermitte des Vogels das Entscheidende. Sie sollte gemäß des goldenen Schnittes mit einem Abstand von 1/3 zum Bildrand platziert werden. Der Kopf sollte zur Bildmitte hin geneigt sein und der Rumpf zum Bildrand. Bei Landschaftsaufnahmen kann der Horizont im goldenen Schnitt angeordnet werden – 1/3 von der Oberkante des Bildes entfernt. Bei Fotografien kann entweder die Horizontale (Horizonte, Landschaften) oder Vertikale (Personen, Tiere) nach der Zwei-Drittel-Regel ausgerichtet sein – auch beides. Bei einem Portrait sollte der Kopf demnach nicht mittig platziert werden, sondern auf der Linie des goldenen Schnitts. Wer es ganz genau nehmen möchte, bildet die Augen der betreffenden Person exakt auf dem Schnittpunkt der Raster ab, um den besten Bildausschnitt zu erreichen.

 

Unterschiede zur Zwei-Drittel-Regel

 

Die Zwei-Drittel-Regel und der goldene Schnitt sind genau genommen zwei verschiedene Proportionsvorgaben. Sie werden häufig synonym verwendet, meinen aber Unterschiedliches. Der goldene Schnitt gibt vor, dass ein Bild in zwei Bereiche mit 61,8 und 38,2 Prozent untergliedert werden sollte. Die Zwei-Drittel-Regel vereinfacht dies und beschreibt die Regel, dass die Proportionen in 1/2 und 2/3 untergliedert werden sollten. Beim goldenen Schnitt kommt noch eine weitere Differenzierung hinzu, denn dieser soll nicht nur bezogen auf die Bildlänge, sondern auch auf die Höhe des Bildes angewandt werden. Dies ähnelt der Vorgabe zum Bildausschnitt nach der goldenen Spirale.



 

Fortführung des goldenen Schnittes – Bildgestaltung mit der goldenen Spirale

 

goldene schnittDie goldene Spirale geht bei der Bildgestaltung über den Zwei-Drittel-Schnitt hinaus. Hierbei wird ein Bild der Länge nach in 1/2 und 2/3 aufgeteilt und das Gleiche geschieht in Bezug auf die Höhe des Bildes. Wird hier eine Spirale eingezeichnet, die an den Endpunkten des Rasters an den Bildrand anstößt und an den Schnittpunkten des Rasters immer kleiner wird, dann entsteht die sogenannte Fibonacci-Spirale. Sie ähnelt einem Schneckenhaus. Die Mitte der Spirale kann sich dann links oben, links unten, rechts oben oder rechts unten im Bild befinden, je nachdem welcher Ausschnitt gewählt wird. Befindet sich das Zentrum eines Bildes in der Mitte der Spirale, dann erscheint das Bild zwar asymmetrisch, aber dennoch sehr harmonisch und interessant.

 

Das Motiv mit der richtigen Bildgestaltung erfassen

 

Der Zwei-Drittel-Schnitt, auch als Zwei-Drittel-Regel bekannt, ist eine Gestaltungsempfehlung aus der Fotografie. Hierbei wird das Bild gedanklich in neun Teile untergliedert. Es werden zwei waagerechte und zwei senkrechte Linien gezogen, sodass das Motiv aus neun Kacheln besteht. Wesentliche Motive des Bildes sollten sich nun nicht in der Mitte befinden, sondern so, dass der Abstand des Motives zum Rand des Bildes ungefähr dem goldenen Schnitt entspricht. Bei einer Landschaftsaufnahme mit einem einzelnen Baum, der als Motiv dienen soll, ist es daher nicht sinnvoll, den Baum exakt in den Mittelpunkt zu stellen. Harmonischer wirkt es, wenn dieser von der rechten oder linken Ecke des Bildes ca. 1/3 der Bildbreite entfernt ist. Der Zwei-Drittel-Schnitt kann zudem in Bezug auf die Höhe des Motives im Bildausschnitt angewandt werden. Hierbei sollte das Motiv (z.B. der Baum) im unteren Drittel des Bildes liegen.

 

Mit dem goldenen Schnitt fotografieren

 

Viele Kameras zeigen das Raster des goldenen Schnitts – drei waagerechte und jeweils drei senkrechte Kacheln – als Aufteilung auf dem Display an. Dies ist eine wertvolle Hilfe. Werden nun an den Achsen der Raster (Kreuzungspunkte) wichtige Elemente platziert, sind die Proportionen des goldenen Schnitts gegeben.

 

Die Zwei-Drittel-Regel in der nachträglichen Bildgestaltung

 

Der goldene Schnitt kann helfen, einen guten Ausschnitt zu identifizieren und die Wirkung des Motives zu verbessern. Besitzt das Ausgangsbild genug Material, um es nachträglich zu bearbeiten, dann kann der goldene Schnitt auch mit Hilfe der Bildbearbeitung hergestellt werden. Über das Foto auf dem PC wird ein Raster gelegt und so lange angepasst bzw. verschoben, bis der Bildausschnitt genau das zeigt, was mit dem Foto ausgesagt werden soll. Der Rest kann dann weggeschnitten werden. In professionellen Bildbearbeitungsprogrammen kommen hierfür Ebenen zum Einsatz. Auf der Ebene über das Foto wird das Raster platziert. Ist der gewünschte Ausschnitt gefunden, wird nach dem Beschneiden des Bildes die Ebene mit dem Raster ausgeblendet.

 

Die einfache Anwendung des goldenen Schnittes in der Bildgestaltung

 

goldene schnittDer goldene Schnitt kann bei einem Bildausschnitt auf den linken oder rechten Rand angewandt werden. Das Motiv kann sich 1/3 vom linken oder rechten Rand des Bildes entfernt befinden. Die Anordnung sollte so gewählt werden, dass sich der Körper einer Person horizontal und das Gesicht einer Person vertikal auf der Drittellinie befinden. Die Linien müssen nicht exakt getroffen werden, eine Annährung ist ausreichend. Werden Gesichter fotografiert, dann sollte das Gesicht in das Bild hineinschauen. Ideal ist es also, wenn sich das Motiv im rechten Drittel befindet, wenn es nach links neigt oder nach links schaut und wenn es sich im linken Drittel befindet, sollte es sich nach links neigen oder nach links schauen. Beachtet werden sollte zudem der Autofokus. Diesen richten viele Kameras auf die Bildmitte und damit auf den Bereich, der bei einem Bildausschnitt nach der Zwei-Drittel-Regel gar nicht im Fokus stehen soll. Daher sollte das Objekt anvisiert werden und der Auslöser zum Scharfstellen nur halb gedrückt werden. Anschließend wird die Kamera bewegt, bis das Motiv an den Ort des goldenen Schnittes rückt, um auszulösen. Gibt es auf einem Bild gleich mehrere potentielle Motive, etwa wenn mehrere Tiere abgebildet werden oder unterschiedliche Pflanzen und Gegenstände fotografiert werden, dann sollte der goldene Schnitt auf das Motiv zeigen, welches am Wesentlichsten ist, etwa das Tier, das in die Kamera schaut oder die größte und schönste Pflanze.

 

Wann der Zwei-Drittel-Schnitt nicht geeignet ist

 

Der Zwei-Drittel-Schnitt kann dann sinnvoll eingesetzt werden, wenn ein harmonischer Bildaufbau erzeugt werden soll. Das ist hilfreich, wenn das Bildmotiv auch harmonisch wirkt, etwa bei Landschaften, Portraits oder Tiermotiven. Der goldene Schnitt ist aber kein Allheilmittel und verfehlt seine Wirkung bei dynamischen und aktiven Bildern, die wenig mit Harmonie gemein haben. Haben die Inhalte eines Fotos keine harmonische Wirkung und sollen sie dies auch nicht, dann wird auch kein harmonischer Bildaufbau benötigt.



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