Fotografieren mit Polarisationsfilter – sinnvoll oder Geldverschwendung?

Warum mit Polarisationsfilter fotografieren?

Viele Fotografen behaupten, mit modernen DSLRs sei ein Polfilter überflüssig. Die Kontrasteffekte könnten viel schneller und einfacher in der Nachbearbeitung am PC generiert werden und ein Polarisationsfilter sei sowieso viel zu teuer. Ein Polarisationsfilter kann sich aber auch in Zeiten der Digitalfotografie noch lohnen, vor allem, wenn man gerne Landschaften fotografiert. Warum das so ist, soll dieser Artikel beleuchten.

 

Was macht ein Polarisationsfilter?

Vereinfacht kann man sich einen Polarisationsfilter wie ein Sieb für Lichtwellen vorstellen. Normales diffuses Tageslicht schwingt in vielen verschiedenen Ebenen, den Polarisationsebenen (daher auch der Name des Filters). Der Filter sorgt nun dafür, dass nur das Licht aus einer bestimmten Polarisationsebene auf den Kamerasensor trifft, das restliche Licht wird absorbiert. Bestimmen kann man diese Ebene durch Drehen des Filters.

Beim Fotografieren mit einem Polarisationsfilter kann man dadurch zwei grundlegende Effekte erreichen, zum Einen eine Verstärkung der Sättigung und Kontraste von Himmel und Blättern oder Gras, zum Anderen eine Reduzierung oder Auslöschung von Spiegelungen auf Wasseroberflächen oder Glasscheiben.

 

Reflexionen

Der wohl wichtigste Einsatzzweck von Polarisationsfiltern in Zeiten der Digitalfotografie bleibt die Verminderung von Reflexionen. Besonders gut funktioniert das an Glasscheiben oder glatten Wasseroberflächen, da hier das reflektierte Licht weitgehend im gleichen Winkel polarisiert wird. Man dreht einfach den Filter so lange, bis man die Reflexionen nicht mehr erkennen kann. Das funktioniert auch bei lackierten Oberflächen, die stark spiegeln, also zum Beispiel Autos, wobei darauf zu achten ist, dass es hier durch die geschwungenen Formen der Karosserie sehr viele verschiedene Reflexionswinkel des Lichts gibt, sodass man kaum alle Spiegelungen eliminieren kann.

Auch bei Wellen an der Wasseroberfläche wird die Reflexionsminderung schwieriger oder gar unmöglich.

 

Himmel

Nimmt man ein Bild im 90°-Winkel zur Sonne auf und dreht den Filter entsprechend, wird der Kontrast und die Sättigung des Himmelblaus verstärkt. Der Himmel erscheint dann ein wenig dunkler, aber auch kräftiger und die weißen Wolken heben sich besser vom Hintergrund ab.

Ein Problem stellen hier aber Weitwinkelaufnahmen dar. Durch die Abbildung des großen Bildwinkels treten die gewünschten Effekte zwar im rechtwinklig zur Sonne stehenden Bildbereich auf, zu den Rändern hin werden diese aber immer schwächer. Das bedeutet, dass es hier zu einer „Fleckenbildung“ kommen kann, was nicht nur unschön aussieht, sondern auch schwer im Nachhinein zu korrigieren ist. Sollten solche Flecken auftreten, verzichtet man lieber auf den Filter und verstärkt die Sättigung des Himmels in der Nachbearbeitung am PC.

 

Blattgrün

Ein weiterer wichtiger Einsatzzweck von Polarisationsfiltern ist das Verstärken des Blatt- oder Grasgrüns auf Fotos.

Dieser Effekt tritt auf, da auch hier Reflexionen gemindert werden, in diesem Falle die Reflexionen auf den Blättern, beziehungsweise den Grashalmen. Dadurch wirkt das Grün satter, es wird aber ebenso die Räumlichkeit gemindert, da Blätter ohne Reflexionen flächiger erscheinen. Ist also eine sehr feine Blätterstruktur im gewünschten Bild, ist von der Verwendung eines Polfilters abzuraten, da hier schnell die Struktur verloren gehen kann und nur ein grüner „Farbklecks“ zurückbleibt.

 

Regenbogen

Regenbögen bestehen aus vollständig polarisiertem Licht. Diese Eigenschaft kann man sich bei der Fotografie mit Polarisationsfilter zu Nutze machen. Durch entsprechende Drehung des Filters kann man den Regenbogen auf der Aufnahme entweder komplett verschwinden lassen, was wohl die wenigsten Fotografen erreichen wollen, oder man kann ihn besonders verstärken, was mit einer Abdunklung der restlichen Bildbereiche einhergeht. Das verleiht Regenbögenbildern das besondere Etwas, was nicht mit einer Nachbearbeitung am PC erreicht werden kann.

 

Wie mit Polarisationsfilter fotografieren?

Da ein Polfilter sehr genau ausgerichtet werden muss, um den gewünschten Effekt zu erzielen, muss man ihn vor jeder Aufnahme durch Drehen neu ausrichten, es sei denn, man fotografiert eine Landschaft mithilfe eines Stativs und hat die Kamera zwischen den Aufnahmen nicht bewegt. Wird der Filter nicht mehr benötigt, da man zum Beispiel ein anderes Motiv fotografieren will, genügt es nicht, diesen nur so zu drehen, dass das Bild im Sucher wieder natürlich aussieht. Durch die Bauart von Polarisationsfiltern wird immer ein gewisser Teil des Lichts blockiert, auch wenn man es nicht sofort sieht, was zu unerwünschten Nebeneffekten oder unnatürlichen Bildern führen kann. Das bedeutet, dass man den Filter immer abschrauben sollte, falls er nicht benötigt wird.

Außerdem ist zu beachten, dass ein Polarisationsfilter wie oben erklärt Teile des Lichts sperrt und sich die Belichtungszeit um etwa eine bis zwei Blendenstufen erhöht. Bei Landschaftsaufnahmen mag das kein Problem darstellen, möchte man aber Meerestiere durch die Wasseroberfläche hinweg fotografieren, sollte darauf geachtet werden.

 

Polfilter für Video

Für viele Fotografen wird auch der Bereich Video immer interessanter. Möchte man mit seiner Fotografie Geld verdienen kommt man kaum noch daran vorbei, aber auch Hobbyfotografen möchten gerne ein paar schöne Clips aus dem Urlaub mit nach Hause nehmen.

Für den Videodreh ist ein Polfilter dabei quasi unverzichtbar, da hier, vergleichbar mit der Aufnahme in JPEG statt Raw, die Nachbearbeitungsmöglichkeiten stark eingeschränkt sind. Man sollte den gewünschten Look seiner Videoclips also möglichst schon in der Kamera selbst erzeugen. Änderungen wie das Abdunkeln des Himmels oder das gesättigte Grün mag man mit ein wenig Glück und Talent noch hinbekommen, aber Reflexionen lassen sich im Video fast unmöglich entfernen.

Sieht man sich darüber hinaus einmal den Gebrauch von Polarisationsfiltern in Big-Budget Produktionen wie „Breaking Bad“ an, kann man die Wichtigkeit der Polfilter für Video bereits erahnen.

 

Worauf ist beim Kauf eines Polfilters zu achten?

Es gibt lineare und zirkuläre Polfilter, wobei nur letztere optimal mit der Belichtungsmessung und dem Autofokus moderner Kameras funktionieren. Lineare Polarisationsfilter werden aber kaum noch verkauft, sodass man wohl fast nicht zum falschen Filter greifen kann.

Es sollte, wie bei jedem Objektivfilter, darauf geachtet werden, dass man nur Filter der höchsten Qualität verwendet. Dies bedeutet, dass man renommierte Marken bevorzugen sollte, da diese die optische Qualität der Bilder weniger beeinträchtigen. Wenn man ein Objektiv für viele hundert Euro kauft, sollte man nicht die Abbildungsqualität durch einen billigen Filter aufs Spiel setzen.

Empfehlenswerte Marken sind hier B+W, Heliopan und Hoya, die allerdings sehr teuer sind. Daher sollte man den Filter für sein Objektiv mit dem größten Frontdurchmesser kaufen, normalerweise sind das 77mm oder 82mm, und für kleinere Objektive seines Sets mittels Adapterringen adaptieren.

Nutzt man ein Einschub-Filtersystem wie von Cokin oder Lee, sollte man beachten, dass es hierfür keine Polfilter gibt, weil dies aufgrund der nötigen Drehmechanik für Polfilter bauartbedingt unmöglich ist. Es gibt allerdings Frontadapter für die Filterhalter, die die Montage eines Drehfilters ermöglichen. Optimal ist dieser Aufbau jedoch nicht. Es wird häufig eine höhere Qualität erzielt, wenn für Fotografien mit Polarisationsfilter dieser direkt auf das Objektiv geschraubt und auf das Filtersystem verzichtet wird.

 

Fazit

Auch heute noch haben Polarisationsfilter eine Daseinsberechtigung, wenn auch nicht mehr unbedingt so stark wie zu Zeiten der Analogfotografie. Gerade Fotografen, die in JPEG statt Raw fotografieren oder Videos drehen wollen, werden die Effekte, die sich bereits während der Aufnahme erzielen lassen, zu schätzen wissen. Wer in Raw aufnimmt, kann zumindest die Kontrast- und Sättigungseffekte auch am PC sehr gut nachahmen, nicht aber die Reflexionsminderung auf Wasseroberflächen oder Glasscheiben.

Daher sollte jeder ambitionierte Hobbyfotograf einen Polfilter griffbereit in seiner Kameratasche haben. Er ist neben dem ND-Filter und dem Grauverlaufsfilter einer der wichtigsten Filter, nicht nur für die Landschaftsfotografie. Wer jedoch ausschließlich Studioporträts produziert, kann vermutlich auf Polfilter verzichten.


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